Worte des Soziolekt Allerlei und Vieles

18Dez/090

DRM-GAU beta released

Der neue erwartete Kassenhit von Regisseur James Cameron, Avatar, läuft jetzt in den Kinos an. Am gestrigen Donnerstag lief die 3D-Vorpremiere in verschiedenen Cinestar Kinos deutschlandweit an, endete aber unerwartet in einem Chaos.

Nicht etwa, weil der Film so ungeheuer schlecht war, dass die Massen Amok liefen. Die 3D Brillen liesen die Zuschauer nicht in psychedelischem Rausch die Vorführung platzen. Auch die Kinopreise waren nicht unverschämter als normal. Was einfach schief ging, war der Contentindustrie heißgeliebtes "digital child" - das Digital Rights Management (DRM).

Der Film wurde den Kinos auf extra verschlüsselten (AES 128) externen Festplatten von einem Kurier geliefert. Die Daten (bei Avatar 150GB) werden dann auf den Kinoserver kopiert und für jede Kombination aus Server und Projektor ein Zertifikat erstellt und an den DRM-Dienstleister geschickt. Dieser erstellt für diese Kombination einen eigenen Schlüssel, welcher zurück an das Kino geht um damit den Film abspielen zu können. Anscheinend klappte die Übermittlung der entsprechenden Schlüssel nicht, weshalb die Kinos für manche Säle nicht in der Lage waren, die Daten zu entschlüsseln und den wartenden Zuschauern vorzuführen.

Rein technisch gesehen ist die ganze Sache schonmal fragwürdig, denn AES ist ein symmetrischer Verschlüsselungsalgorithmus, was bedeutet, dass die Daten mit ein und demselben Schlüssel ver- und entschlüsselt werden. Demnach kann es gar nicht sein, dass ein spezieller Schlüssel erst nachträglich abhängig von der Hardware erstellt wird um die Daten dann zu entschlüsseln. Allenfalls wird ein hybrides Verfahren verwendet, in dem die Daten zwar symmetrisch, der Schlüssel selbst wiederum aber asymmetrisch verschlüsselt und dem Kino dann erst vom Dienstleister bereit gestellt wird. Es kann sich allerdings auch lediglich um Fehlinformation oder zumindest nicht 100% ausführlicher Berichterstattung auf Seite von heise handeln. Bleibt also die Ursache für die Unmöglichkeit der Übermittlung der Schlüssel zu suchen... lassen wir es einfach mal auf ein technisches Problem beim e-mail Versand schieben.

Rein politisch gesehen, sind die Probleme jedoch eher bei den Kinobetreibern zu suchen. Viele Kunden beklagten sich, dass entweder nur der Eintrittspreis, nicht jedoch die Zusatzkosten für Online-Buchung oder die Getränke/Popcorn (sind dies ja auch die einzigen Einnahmen die zu 100% dem Kino zukommen) oder gleich gar nichts erstattet wurde, sofern der Zuschauer nicht gewillt war, auf die 2D-Variante auszuweichen, welche als althergebrachte Filmrollen vorhanden war und damit nicht dem technischen Defekt unterlag.
Als Betreiber mag man einfach nur den akkuten Einnahmeverlust vor Augen haben und deswegen unreflektiert zu solchen lapidaren Maßnahmen greifen. Als Kunde jedoch, wäre eine angemessenere Behandlung wünschenswert und ökonomisch gesehen für den Betreiber wohl auch vorteilhafter. Im Endeffekt bleibt es Sache des Anbieters, solche Risiken abzufangen bzw. an den Verursacher weiterzugeben und nicht die Kosten über den Kunden abzufedern.

Nichtsdestotrotz bleibt DRM ein übles Hindernis für legale Konsumenten und dieser Ausrutscher belegt dies nun auch im größeren, öffentlichen Rahmen, anstatt wie bisher einfach nur den Nutzer im einsamen Kämmerlein zu Hause zu nerven.

Für Urheberrecht, gegen DRM!