Worte des Soziolekt Allerlei und Vieles

12Dez/090

Hotte-Hü… Nanü?

Soso, die SPD wendet sich neuerdings gegen das Zugangserschwerungsgesetz und der Fraktionsvorsitzende, Olaf Scholz, wettert  "Schluss mit dem Gewürge". Das Aussetzen des Gesetzes für ein Jahr, welches die neue Koalition aus CDU/CSU und FDP vorerst entschied, empfand er gar als "abenteuerlich" und einen "unmöglichen Zustand"! Ursula von der Leyen, der Initiatorin dieses Gesetzes (damals noch Familienministerin), unterstellte er gar "Populismus" und die Sperrgesetzte, die die Internetprovider unterzeichnen mussten "offensichtlich rechtswidrig" gewesen.

Nur leider schwer zu glauben, denn war es doch die SPD, die in der letzten Legislaturperiode dieses Gesetzt erst auf den Weg gebracht hat.
Einer der wenigen ehem. SPD-Anhänger, die sich vehement gegen das Gesetz gelehnt haben, nämlich Jörg Tauss, wurde ja kurz darauf ganz zufällig des Verdachts auf Besitzes kinderpornografischen Materials angeklagt - die Verhandlung und das Urteil stehen noch aus, während etliche CDU Anhänger mit mutmaßlich ähnlichen Neigungen im gleichen Zeitraum schon längst verurteilt wurden. Dies lässt unweigerlich den Schluß zu, dass die SPD damals diesen Gesetzesgegner einfach nur aus dem Weg räumen wollte - mit Erfolg, Jörg Tauss schied daraufhin aus der SPD aus und trat der Piratenpartei bei, welche sich trotz der Anschuldigungen zur Unschuldsvermutung bekannte.

Wieso also, außer aus Profilierungssucht, reinem Opportunismus oder einfachem Wähleranbiedern aufgrund des eigenen Versagens und der Erfolge z.B. der Piratenpartei bei der Bundestagswahl, sowie der daraus resultierenden Zukunftsangst sollte die SPD jetzt plötzlich also ihren Kurs um 180° ändern? Wieso ist jetzt plötzlich ein Gesetz "offensichtlich rechtswidrig", das man selbst noch in Gang gebracht hat? Hat man dann nicht selbst offensichtlich rechtswidrig gehandelt, denn die Offensichtlichkeit kommt sicher nicht erst seit der (für die SPD verlorenen) Bundestagswahl? Und ist es nicht populistisch sondergleichen, seine eigene Meinung dermaßen den aktuellen Umständen und Wählermeinungen anzupassen?

Natürlich nicht, liebe SPD, ihr seid einfach nur falsch verstanden worden und all die Debakel in den letzten Jahren waren völlig ungerechtfertigt, denn ihr wart die ganze Zeit nur auf der Seite des Rechtes, des Gesetzes und des Volkes!

Ich wähle für ein Stopp-Schild für die SPD!

Nachtrag: Auch Jörg Tauss selbst, hat auf seinem Blog zu den Äusserungen von Olaf Scholz Stellung bezogen und stellt die Glaubwürdigkeit der neuerlichen Bedenken in Frage.

9Dez/090

Wer hat’s erfunden?

Nein, diesmal nicht die Schweizer, die Deutschen sind es, die mit einer unglaublich blödsinnigen Forderung das Internet um einfallsreiche und natürlich auch dringend nötige neue Top-Level-Domains erweitern wollen.

Natürlich, was dem Internet nach .biz, .eu und .cat noch gefehlt hat, sind Schätze wie .bayern, .berlin oder *würg* .köln. Angesichts der Tatsache, dass domains einer gewissen Hierarchie (ich.meinestadt.de, etc.) folgen, mag die Nutzungsmöglichkeit von .köln begrenzt, gar befremdlich anmuten, ganz zu schweigen von dem Unding eines deutschen Umlautes in der TLD (die domains selbst wurden ja bereits germanisiert).

Ganz klar ist jedenfalls, dass hinter diesen Anträgen an die ICANN wieder mal nur technikfremde Voll-BWLer die Geld schnüffeln oder hinterwäldlerische Lokalpatrioten stecken.

Die Letzteren sind sowieso nicht zu retten, den Ersteren müsste man nur begreiflich machen, dass es auf andere Weise noch einfacher noch mehr Geld zu scheffeln gibt.

Hätte ihnen nur mal jemand gesagt, dass domains sowieso immer seltener direkt eingegeben werden und man mit gutem SEO mehr erreicht, statt ein unnützes Chaos an unbrauchbaren TLDs zu fabrizieren.

Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Grosses-Interesse-an-neuen-Top-Level-Domains-880592.html