Worte des Soziolekt Allerlei und Vieles

30Aug/110

Lahm und der feine Unterschied…

Alle regen sich über Lahms Buch auf, aber kaum einer versucht dahinter zu sehen... Wenn man so liest, hat er nur äusserst sachlich seine eigene Sichtweise auf die verschiedenen Stationen seines Fußballer-Werdens dargelegt. Dass kein langjähriger Trainer sich von einem "Jüngling" erzählen lassen will, wie eine Trainingseinheit auszusehen hat und wie man als Führungsperson richtig aufzutreten hat, ist verständlich.
Aber eigentlich ist alles nur ein beinahe perfekter PR-Streich und reiht sich nahtlos an seinen Anspruch auf die Kapitänsbinde. Dazu passt auch die schnelle öffentliche Entschuldigung für eventuell verletzte Gefühle und die Tatsache, dass Jogi Löw und Oliver Bierhoff mit keinem (schlechten) Wort im Buch erwähnt werden - auch wenn Lahm ganz sicher zu den Beiden auch seine Meinung hat. Aber Lahm zielt nicht darauf ab es sich mit irgendwem zu verscherzen, er will auch nicht zwingend unbequem werden - er will zeigen dass er analytisch, clever und erfahren genug ist, auch alten Hasen zu erzählen, wo der Hase eigentlich langzulaufen hat um damit seine Position als Kapitän der Nationalmannschaft zu stärken. Bis zum Beginn der EM wird aller Zorn über das Buch verflogen sein, aber der Beigeschmack dass Lahm auch jemand ist, der mal ganz genau sagt was Sache ist, der wird bleiben und ihm damit ein ganz neues Stück Respekt einbringen. Und Respekt, den braucht er - dringend - um die Nationalmannschaft zu einem Erfolg führen zu können. Natürlich wird es einige geben, die ihm dieses Buch nicht nachsehen werden... aber das ist kalkulierter Kollateralschaden.

Schlussendlich mag man es moralisch verwerflich finden dass er ehemalige Vorgesetzte öffentlich kritisiert und Teaminternas ausplaudert, aber das Buch hat seinen Zweck und war vielleicht auch ein Stück weit notwendig.